Was kostet eine GmbH in Österreich pro Jahr — die ehrliche Aufstellung 2026
Du willst eine GmbH gründen. Oder du hast schon eine. Und irgendwann kommt die Frage: Was kostet mich das eigentlich pro Jahr?
Frag drei Steuerberater. Kriegst vier Antworten. "Kommt drauf an", "das ist individuell", "zwischen 5.000 und 20.000 Euro".
Alles richtig. Alles nutzlos.
Hier ist die ehrliche Rechnung. Mit konkreten Zahlen. Mit zwei Beispielen aus der Praxis.
Ohne Marketing-Sprech. Ich zeige dir, was eine GmbH in Österreich 2026 wirklich kostet, von der Mindest-KöSt bis zum Steuerberater, von der WKO-Grundumlage bis zur SVS. Und ich sage dir, ab wann sich das lohnt.
Inhaltsverzeichnis
- Einmalige Gründungskosten — was du am Anfang zahlst
- Laufende Jahreskosten — die Fixkosten deiner GmbH
- Steuerberater-Kosten im Detail — warum 300 bis 800 € im Monat
- Versteckte Kosten — was die Rechner nicht zeigen
- Was kostet eine GmbH bei null Umsatz?
- Praxis-Fall — IT-Freelancer vs. Beratungs-GmbH mit 3 Mitarbeitern
- Fazit — ab wann sich eine GmbH rechnet
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen & Rechtsgrundlagen
Einmalige Gründungskosten — was du am Anfang zahlst
Bevor deine GmbH läuft, fallen einmalige Kosten an. Die kannst du nicht vermeiden, auch nicht mit der neuen Gründungs-GmbH ab 10.000 € Stammkapital.
Hier die Aufstellung:
| Position | Betrag | Quelle |
|---|---|---|
| Stammkapital (Mindesteinzahlung) | 5.000 € | § 6 GmbHG |
| Notar (Gesellschaftsvertrag) | 1.000–2.500 € | WKO-Richtwerte 2026 |
| Firmenbuch-Eintragung | 0–493 € (bei NeuFöG-Befreiung: 0 €) | Gerichtsgebührengesetz |
| Gewerbeanmeldung | 0 € | WKO (Wirtschaftskammer Österreich) (Wirtschaftskammer Österreich) |
| Steuerberater (Start-Beratung, optional) | 300–800 € | Markt-Richtwert |
| Gesamt einmalig | 1.300–3.793 € + 5.000 € Stammkapital | . |
Das Stammkapital bleibt in der GmbH. Du kannst es nicht privat ausgeben. Es ist gebunden.
Wenn du eine GmbH gründest, legst du also mindestens 6.300 bis 8.793 € auf den Tisch, davon sind 5.000 € nicht weg, sondern nur gebunden.
Seit 1.1.2024 gilt das neue Mindeststammkapital von 10.000 € (vorher 35.000 €). Du musst aber nur 5.000 € sofort einzahlen. Die restlichen 5.000 € kannst du nachschießen, wenn die GmbH Geld braucht.
Die NeuFöG-Befreiung gilt für echte Neugründungen. Wenn du eine GmbH neu gründest und nicht nur eine Struktur umwandelst, sparst du dir die 493 € Firmenbuchgebühren. Das ist eine Förderung des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
Laufende Jahreskosten — die Fixkosten deiner GmbH
Jetzt wird es interessant. Die laufenden Kosten sind der Grund, warum viele GmbHs teurer sind als gedacht. Hier die Aufstellung für eine Einpersonen-GmbH ohne Mitarbeiter, das Minimum-Szenario:
| Position | Betrag pro Jahr | Quelle |
|---|---|---|
| Mindestkörperschaftsteuer | 500 € | § 24 KStG |
| Steuerberater (Buchhaltung + Jahresabschluss) | 4.200–7.700 € | Kanzlei-Auswertungen 2026 |
| WKO Grundumlage | 50–300 € | WKO |
| WKO Kammerumlage 1 (bei Umsatz >150.000 €) | 0 € (bei <150k) / 1.200 € (bei 250k) | WKO |
| SVS-Beitrag (Geschäftsführer >25 % Beteiligung) | 2.400 € | SVS |
| Versicherungen (Berufshaftpflicht, optional) | 300–1.500 € | Markt-Richtwert |
| Software (Buchhaltung) | 200–600 € | Markt-Richtwert |
| Firmenbuch (Jahresabschluss-Einreichung) | 5–10 € | Firmenbuch |
| SUMME MINIMUM | 6.000–12.000 € | . |
Die Bandbreite ist groß. Der Unterschied liegt vor allem beim Steuerberater. Wenn du eine kleine IT-Freelancer-GmbH hast mit 20 Buchungen im Monat, zahlst du weniger als eine Beratungs-GmbH mit 3 Mitarbeitern und 200 Buchungen.
Die Mindestkörperschaftsteuer von 500 € zahlst du immer, auch wenn du null Gewinn machst. Sie wird quartalsweise fällig (4 × 125 €). Wenn du später KöSt (Körperschaftsteuer in Österreich) (Körperschaftsteuer in Österreich) zahlst, wird die Mindest-KöSt angerechnet.
Aber wenn du am Jahresende weniger als 500 € KöSt hast, ist die Differenz weg.
Die SVS-Beiträge gelten für Geschäftsführer mit mehr als 25 % Beteiligung. Du zahlst mindestens 200 € pro Monat, auch wenn du kein Gehalt beziehst. Das ist die Mindestbeitragsgrundlage von 551,10 € monatlich.
Wenn du Gehalt beziehst, steigen die Beiträge.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
Steuerberater-Kosten im Detail — warum 300 bis 800 € im Monat
Der Steuerberater ist der größte Kostenblock. Aber die Spanne ist riesig. Warum?
Weil es drei Preismodelle gibt:
- Pauschal-Modell: Du zahlst 300–800 € im Monat für alles (Buchhaltung, Lohnverrechnung, Jahresabschluss, Beratung). Das rechnet sich ab 50.000 € Umsatz.
- Nur Jahresabschluss: Du machst die Buchhaltung selbst (oder mit einer Software). Der Steuerberater macht nur den Jahresabschluss. Kostet 1.600–2.200 € für eine kleine GmbH.
- Stundenabrechnung: Klassisch. 55–100 € pro Stunde für Buchhaltung, 160–220 € für Beratung, 225–360 € für Senior-Partner. Das wird schnell teuer.
Die meisten GmbHs zahlen zwischen 4.200 und 7.700 € pro Jahr. Das ist das Pauschal-Modell ohne Lohnverrechnung (weil keine Mitarbeiter). Wenn du Mitarbeiter hast, kommen 1.500–3.000 € pro Jahr dazu.
Hier die Aufschlüsselung nach GmbH-Größe:
| GmbH-Typ | Jahresabschluss-Kosten | Buchhaltung (wenn inkludiert) | Gesamt pro Jahr |
|---|---|---|---|
| Kleine GmbH (0–50k Umsatz) | 1.600–2.200 € | 2.600–5.500 € | 4.200–7.700 € |
| Mittlere GmbH (50k–500k Umsatz) | 3.000–4.300 € | 3.000–6.500 € | 6.000–10.800 € |
| Große GmbH (>500k Umsatz) | bis 6.600 € | 4.000–8.000 € | 10.600–14.600 € |
Die Kosten hängen von der Anzahl der Buchungen ab. Wenn du viele Rechnungen schreibst, viele Lieferanten hast, viele Belege sammelst, wird es teurer. Wenn du 20 Buchungen im Monat hast, zahlst du weniger als bei 200 Buchungen.
Ein Steuerberater rechnet meistens nach Zeitaufwand. Auch wenn du ein Pauschalhonorar vereinbarst, die Basis ist der Stundenaufwand. Deshalb: Je strukturierter deine Buchhaltung, desto günstiger.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
Versteckte Kosten — was die Rechner nicht zeigen
Es gibt Kosten, die in keiner Aufstellung stehen. Aber sie treffen dich trotzdem. Hier die häufigsten:
- Zwangsstrafen bei verspätetem Jahresabschluss: Wenn du den Jahresabschluss nicht innerhalb von 9 Monaten beim Firmenbuch einreichst, kann das Firmenbuchgericht eine Zwangsstrafe verhängen — 700 bis 3.600 € pro Geschäftsführer. Das ist keine theoretische Gefahr. Das passiert. Regelmäßig.
- D&O-Versicherung (Directors-and-Officers-Versicherung): Eine Geschäftsführer-Haftpflichtversicherung. Kostet 1.000–2.500 € pro Jahr. Ist nicht Pflicht — aber sinnvoll, wenn du Mitarbeiter hast oder Verträge mit Kunden unterschreibst.
- Berufsrechtsschutz: Wenn du als Geschäftsführer verklagt wirst (zum Beispiel wegen Sozialversicherungsbeiträgen oder Steuerschulden), brauchst du einen Anwalt. Kostet 300–800 € pro Jahr.
- Bankkonto-Gebühren: Manche Banken verlangen 5–20 € pro Monat für GmbH-Konten. Andere sind kostenlos. Aber wenn du nicht aufpasst, zahlst du 60–240 € pro Jahr.
- Mehrkosten bei Steuerprüfung: Wenn das Finanzamt prüft, wird dein Steuerberater Zeit investieren. Das kostet extra — 2.000–5.000 € sind realistisch.
Diese Kosten fallen nicht jedes Jahr an. Aber du solltest sie kennen. Wenn du eine GmbH hast, musst du mit 1.000–3.000 € Puffer pro Jahr rechnen, für Unvorhergesehenes.
Was kostet eine GmbH bei null Umsatz?
Du hast eine GmbH gegründet. Aber du machst noch keinen Umsatz. Oder du hast die GmbH als Vorratsgesellschaft.
Was kostet dich das?
Die ehrliche Antwort: mindestens 3.400 € pro Jahr. Auch wenn du null Umsatz machst.
Hier die Aufstellung:
- Mindestkörperschaftsteuer: 500 € (läuft weiter, auch ohne Gewinn)
- Steuerberater (nur Jahresabschluss): 1.600–2.200 € (du musst einen Jahresabschluss machen, auch bei null Umsatz)
- SVS-Beiträge: 2.400 € (wenn du Geschäftsführer mit >25 % Beteiligung bist)
- WKO Grundumlage: 50–300 € (Fixbetrag, auch bei null Umsatz)
Gesamt: 4.550–5.400 € pro Jahr. Ohne Umsatz. Ohne Gewinn.
Ohne Gehalt.
Das ist der Grund, warum viele GmbHs nach 2-3 Jahren ohne Umsatz wieder geschlossen werden. Die Kosten laufen weiter, und irgendwann ist das Stammkapital aufgebraucht.
Wenn du eine GmbH gründest, solltest du sicher sein, dass du sie auch nutzt. Eine ruhende GmbH ist kein Hobby, sie ist ein teures Wartezimmer.
Praxis-Fall — IT-Freelancer vs. Beratungs-GmbH mit 3 Mitarbeitern
Zwei echte Beispiele. Damit du siehst, wie die Kosten in der Praxis aussehen.
Beispiel 1: IT-Freelancer gründet Einpersonen-GmbH (Wien, kein Personal, 80.000 € Umsatz/Jahr)
Einmalige Gründung:
- Stammkapital: 5.000 € (bleibt in der GmbH)
- Notar: 1.200 €
- Firmenbuch: 0 € (NeuFöG-Befreiung)
- Steuerberater Start-Beratung: 500 €
- Summe einmalig: 1.700 € + 5.000 € gebunden
Jahr 1 (laufend):
- Mindest-KöSt: 500 €
- Steuerberater (Buchhaltung + Jahresabschluss): 5.500 €
- SVS (Geschäftsführer, >25 %): 2.400 €
- WKO Grundumlage: 150 €
- WKO KU1: 0 € (Umsatz <150k)
- Berufshaftpflicht IT: 800 €
- Software (Buchhaltung): 300 €
- Summe Jahr 1: 9.650 €
Realistische Gesamtbelastung im ersten Jahr: ca. 11.350 € (einmalig + laufend), davon 5.000 € als Eigenkapital in der GmbH verfügbar.
Der IT-Freelancer zahlt also 6.350 € echte Kosten im ersten Jahr. Danach jedes Jahr 9.650 €. Wenn er kein Gehalt aus der GmbH nimmt, sondern nur Dividenden, zahlt er zusätzlich 23 % KöSt + 27,5 % KESt (Kapitalertragsteuer in Österreich) (Kapitalertragsteuer in Österreich) auf den Gewinn.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
Beispiel 2: Beratungs-GmbH mit 3 Mitarbeitern (Niederösterreich, 250.000 € Umsatz)
Laufende Jahreskosten:
- Mindest-KöSt: 500 €
- Steuerberater (Buchhaltung + Lohnverrechnung + Jahresabschluss): 8.400 €
- SVS (Geschäftsführer): 2.400 €
- WKO Grundumlage: 200 €
- WKO KU1 (bei 250k Umsatz über Freigrenze): ca. 1.200 €
- WKO KU2 (Dienstnehmerzuschlag): ca. 400 €
- D&O-Versicherung: 1.500 €
- Software (Buchhaltung + Lohnverrechnung): 800 €
- Summe Jahr: ca. 15.400 €
Die GmbH verursacht jährlich 5.000–7.000 € Mehrkosten gegenüber einem Einzelunternehmen (Steuerberatung, Firmenbuchgebühren, Mindest-KöSt). Aber sie spart bei der Steuer, wenn der Gewinn hoch genug ist.
Ab welchem Gewinn rechnet sich eine GmbH? Ab ca. 80.000–100.000 € Jahresgewinn. Darunter ist die Steuerersparnis oft kleiner als die Mehrkosten.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
Fazit — ab wann sich eine GmbH rechnet
Eine GmbH in Österreich kostet dich mindestens 6.000–12.000 € pro Jahr. Wenn du Mitarbeiter hast, sind es eher 13.000–17.000 €. Das ist kein Marketing-Sprech, das sind die echten Zahlen aus 2026.
Die größten Kostenblöcke sind der Steuerberater (4.200–7.700 €) und die SVS-Beiträge (2.400 €). Die Mindest-KöSt (500 €) ist Kleinkram dagegen, aber sie läuft auch bei null Umsatz weiter.
Ab wann rechnet sich eine GmbH? Hier drei Faustregeln:
- Unter 50.000 € Jahresgewinn: Eine GmbH rechnet sich meistens nicht. Die Kosten fressen die Steuerersparnis auf.
- 50.000–80.000 € Jahresgewinn: Die GmbH wird interessant — aber nur, wenn du das Geld nicht sofort privat brauchst. Wenn du den Gewinn thesaurierst (in der GmbH lässt), sparst du Steuer.
- Ab 100.000 € Jahresgewinn: Die GmbH ist ein klarer Steuervorteil. Du sparst 15–25 % gegenüber dem Einzelunternehmen — je nachdem, wie viel du ausschüttest.
Wenn du eine GmbH gründest, solltest du mit 10.000 € Puffer pro Jahr rechnen. Dann bist du auf der sicheren Seite. Wenn du weniger zahlst, umso besser.
Noch eine Sache: Die Kosten sind nicht verhandelbar. Du kannst nicht sagen "ich zahle keine Mindest-KöSt". Du kannst nicht sagen "ich mache keinen Jahresabschluss".
Das sind Pflichten. Wenn du sie nicht erfüllst, kommen Strafen. Und die sind teurer als die Kosten.
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Zum AT-Rechner →Häufig gestellte Fragen
Kann ich als Geschäftsführer null Gehalt beziehen?
Ja, das ist erlaubt. Aber die SVS-Beiträge laufen trotzdem weiter, mindestens 200 € pro Monat, wenn du mehr als 25 % Beteiligung hast. Das ist die Mindestbeitragsgrundlage von 551,10 € monatlich.
Wenn du kein Gehalt beziehst, zahlst du die Beiträge aus deinem Privatvermögen.
Was passiert, wenn ich den Jahresabschluss zu spät einreiche?
Das Firmenbuchgericht kann eine Zwangsstrafe verhängen, 700 bis 3.600 € pro Geschäftsführer. Die Frist ist 9 Monate nach Bilanzstichtag. Wenn du also am 31.12.2025 bilanzierst, musst du den Jahresabschluss bis 30.9.2026 einreichen.
Die Zwangsstrafe ist keine theoretische Gefahr. Sie wird regelmäßig verhängt. Das Firmenbuchgericht mahnt dich vorher ab, aber wenn du nicht reagierst, kommt die Strafe.