Jahresabschluss GmbH 2026 — die 7 Stellen, an denen GFs bares Geld verschenken
Drei Monate nach Geschäftsjahresende. Dein Steuerberater schickt den Jahresabschluss. Du unterschreibst.
Fertig.
Falsch.
Der Jahresabschluss ist kein Formular zum Abhaken. Er ist das mächtigste Werkzeug, das du als GmbH-Geschäftsführer hast, um Steuern legal zu verschieben, Gewinne zu glätten und Liquidität zu steuern. Aber die meisten GFs behandeln ihn wie eine lästige Pflichtübung.
Das Ergebnis: Sie verschenken Jahr für Jahr vierstellige Beträge. An sieben konkreten Stellen. Mit echten Zahlen sieht das so aus: 2.500 € durch falsche GWG-Wahl, 7.500 € durch vergessene latente Steuern, 12.000 € durch lineare statt degressiver AfA.
Ich zeige dir jetzt diese sieben Stellen. Mit Paragraphen. Mit Rechenbeispielen.
Mit dem, was der BFH (Bundesfinanzhof, höchstes deutsches Steuergericht) 2026 gerade entschieden hat. Nicht damit du deinen Steuerberater ersetzt, sondern damit du die richtigen Fragen stellst.
Inhaltsverzeichnis
- Was der Jahresabschluss 2026 für GmbHs bedeutet
- Stelle 1 — Drohverlustrückstellungen: 25.000 € Unterschied zwischen Handels- und Steuerbilanz
- Stelle 2 — GWG-Chaos: Wer 800 € und 1.000 € verwechselt, zahlt drauf
- Stelle 3 — Degressive AfA: 30 % statt 12,5 % — aber nur bis Ende 2027
- Stelle 4 — Computer-Sonderregel: 1-Jahres-AfA auch über 1.000 €
- Stelle 5 — Garantierückstellungen: Pflicht in Handelsbilanz, verboten in Steuerbilanz
- Stelle 6 — Abzinsung von Rückstellungen: 4–6 % Zinssatz vergessen = zu viel Steuer
- Stelle 7 — Latente Steuern: Die unsichtbare Position, die deine Bilanz ehrlich macht
- Praxis-Fall: Wie eine 150-Mitarbeiter-GmbH 18.000 € verschenkt hat
- Fazit — was du jetzt mitnehmen solltest
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen & Rechtsgrundlagen
Was der Jahresabschluss 2026 für GmbHs bedeutet
Eine GmbH muss nach § 242 Abs. 3 HGB einen Jahresabschluss erstellen. Das ist nicht verhandelbar. Besteht aus Bilanz und GuV.
Bei mittelgroßen und großen GmbHs muss das innerhalb von drei Monaten nach Geschäftsjahresende passieren, bei kleinen GmbHs hast du sechs Monate Zeit.
Die Verantwortung liegt bei dir als Geschäftsführer. Nicht beim Steuerberater. Der erstellt den Abschluss, aber du unterschreibst ihn.
Wenn das Finanzamt später sagt "Die Rückstellung war falsch", bist du haftbar.
Zwei Bilanzen gleichzeitig. Handelsbilanz nach HGB, Steuerbilanz nach EStG. Klingt wie doppelte Arbeit, ist aber dein größter Hebel.
Denn manche Positionen darfst du in der Handelsbilanz ansetzen, in der Steuerbilanz aber nicht. Das schafft Spielraum.
Die Größenklassen wurden 2024 um 25 % angehoben. Eine kleine GmbH hat jetzt bis 6 Mio. € Bilanzsumme und bis 12 Mio. € Umsatz. Für dich heißt das: weniger Offenlegungspflichten, mehr Gestaltungsspielraum.
Stelle 1 — Drohverlustrückstellungen: 25.000 € Unterschied zwischen Handels- und Steuerbilanz
Drohverlustrückstellungen sind der Klassiker. Du hast einen Vertrag unterschrieben, der sich als Minusgeschäft entpuppt. Die Kosten übersteigen den Ertrag.
Das nennt man "schwebendes Geschäft mit negativem Erfüllungsrückstand".
Handelsbilanz nach § 249 Abs. 1 HGB: Du musst eine Rückstellung bilden. Sobald du weißt, dass der Vertrag Verlust bringt, ist die Rückstellung Pflicht. Das schützt deine Gläubiger, die sollen sehen, dass da eine Belastung auf die GmbH zukommt.
Steuerbilanz nach § 5 Abs. 4a EStG: Du darfst nicht die Rückstellung bilden. Das Gesetz verbietet es ausdrücklich. Das Finanzamt will nicht, dass du Gewinne zu früh kleinrechnest.
Das Problem: Deine Handelsbilanz zeigt weniger Gewinn als deine Steuerbilanz. Das nennt man temporäre Differenz. Und die musst du mit latenten Steuern ausgleichen, dazu gleich mehr.
Rechenbeispiel: Beton-GmbH mit Garagen-Vertrag
Eine Beton-GmbH hat einen Vertrag über fünf Fertiggaragen. Verkaufspreis je Garage: 30.000 €. Gesamterlös: 150.000 €.
Dumm nur: Die Materialkosten sind gestiegen. Die Selbstkosten liegen jetzt bei 35.000 € pro Garage. Gesamtkosten: 175.000 €.
Der Drohverlust beträgt (35.000 – 30.000) × 5 = 25.000 €.
In der Handelsbilanz bildest du eine Rückstellung über 25.000 €. Dein Gewinn sinkt um 25.000 €. In der Steuerbilanz darfst du die Rückstellung nicht ansetzen.
Dein steuerlicher Gewinn bleibt 25.000 € höher.
Wenn dein Gesamtsteuersatz bei 30 % liegt (15 % Körperschaftsteuer plus durchschnittlich 15 % Gewerbesteuer), musst du eine aktive latente Steuer von 0,3 × 25.000 = 7.500 € bilden. Das ist ein Aktivposten in deiner Handelsbilanz, eine Art Gutschein für künftige Steuererstattungen.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
Geschäftsführer verschenken hier Geld, wenn sie die Handelsbilanz-Rückstellung vergessen. Dann ist die Bilanz zu optimistisch, und im schlimmsten Fall prüfungsrelevant. Oder sie vergessen die latenten Steuern, dann stimmt die Darstellung nicht mit der wirtschaftlichen Realität überein.
Stelle 2 — GWG-Chaos: Wer 800 € und 1.000 € verwechselt, zahlt drauf
GWG steht für "geringwertige Wirtschaftsgüter". Das sind bewegliche, abnutzbare Anlagegüter mit geringem Wert. Bürostühle, Drucker, Regale.
Das Besondere: Du kannst sie sofort abschreiben statt über die Nutzungsdauer.
Aber es gibt drei Grenzen. Und die meisten GFs kennen nur zwei davon.
Die drei GWG-Grenzen 2026
- Bis 250 € netto: Sofortabschreibung ohne Aufzeichnungspflicht. Das Wirtschaftsgut taucht gar nicht erst im Anlagenverzeichnis auf. Einfach Betriebsausgabe buchen, fertig.
- 250,01 bis 800 € netto: Wahlrecht zwischen Sofortabschreibung und Sammelposten. Sofortabschreibung heißt: voller Betrag noch im Jahr der Anschaffung. Sammelposten heißt: alle Wirtschaftsgüter zwischen 250 und 1.000 € landen in einem Pool, der über fünf Jahre mit 20 % pro Jahr abgeschrieben wird.
- 250,01 bis 1.000 € netto: Sammelposten möglich (§ 6 Abs. 2a EStG). Achtung: Die 1.000-€-Grenze gilt nur für den Sammelposten, nicht für die Sofortabschreibung.
Das führt zu einer kontraintuitiven Situation. Ein Drucker für 950 € kann nicht sofort abgeschrieben werden, weil er über 800 € liegt. Aber er kann in den Sammelposten, weil er unter 1.000 € liegt.
Rechenbeispiel: Bürostuhl, Drucker, Laptop
Deine GmbH kauft 2026 drei Dinge: Bürostuhl für 700 €, Drucker für 950 €, Laptop für 1.800 €.
Variante A: Einzelabschreibung optimiert
- Bürostuhl 700 € → sofort abschreiben (unter 800 €)
- Drucker 950 € → über 800 €, also entweder Sammelposten oder reguläre AfA über Nutzungsdauer (meist 3 Jahre)
- Laptop 1.800 € → Computer-Sonderregel: 1-Jahres-AfA (dazu gleich mehr)
Wenn du den Drucker regulär über 3 Jahre abschreibst: 950 / 3 = 317 € in 2026. Zusammen mit Bürostuhl und Laptop: 700 + 317 + 1.800 = 2.817 € Abschreibung in 2026.
Variante B: Sammelposten
- Bürostuhl 700 € + Drucker 950 € → Sammelposten 1.650 €, davon 20 % = 330 € in 2026
- Laptop 1.800 € → Computer-Sonderregel: 1.800 € sofort
Gesamtabschreibung 2026: 330 + 1.800 = 2.130 €.
Variante A bringt dir 687 € mehr Abschreibung in 2026. Bei 30 % Steuersatz sind das 206 € weniger Steuern. Über die nächsten fünf Jahre gleicht sich das aus, aber in 2026 zahlst du mehr, wenn du den Sammelposten wählst.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
GFs verschenken hier Geld, wenn sie blind den Sammelposten nutzen statt jedes Wirtschaftsgut einzeln zu prüfen. Die 800-€-Grenze ist dein Freund, nutze sie.
Stelle 3 — Degressive AfA: 30 % statt 12,5 % — aber nur bis Ende 2027
Abschreibungen sind normalerweise linear. Du kaufst eine Maschine für 100.000 €, Nutzungsdauer 8 Jahre, schreibst jedes Jahr 12.500 € ab. Gleichmäßig.
Vorhersehbar. Langweilig.
Seit dem Wachstumschancengesetz 2026 gibt es wieder die degressive Abschreibung. Für bewegliche Wirtschaftsgüter, die zwischen dem 1. Juli 2025 und dem 31.
Dezember 2027 angeschafft werden.
Degressive AfA nach § 7 Abs. 3 EStG: Du darfst bis zu 30 % vom Restwert abschreiben, maximal das Dreifache des linearen Satzes. Im ersten Jahr schreibst du also deutlich mehr ab als bei linearer AfA. In späteren Jahren wird der Betrag kleiner, weil der Restwert sinkt.
Das Cleverste: Du darfst jederzeit von degressiver auf lineare AfA wechseln. Sobald der lineare Betrag höher ist als der degressive, wechselst du, und holst das Maximum raus.
Rechenbeispiel: Maschine 100.000 €, 8 Jahre Nutzungsdauer
Linear: 100.000 / 8 = 12.500 € pro Jahr. Jedes Jahr gleich.
Degressiv 30 %:
- Jahr 1: 30 % von 100.000 = 30.000 €
- Jahr 2: 30 % von 70.000 = 21.000 €
- Jahr 3: 30 % von 49.000 = 14.700 €
- Jahr 4: 30 % von 34.300 = 10.290 € — hier wird linear besser
Ab Jahr 4 wechselst du auf linear. Restwert 34.300 €, verbleibende Nutzungsdauer 5 Jahre: 34.300 / 5 = 6.860 € pro Jahr. Aber das lohnt sich nicht mehr, du bleibst bei degressiv oder rechnest nach.
In den ersten drei Jahren hast du 65.700 € abgeschrieben. Linear wären es nur 37.500 € gewesen. Das sind 28.200 € mehr Abschreibung in den ersten drei Jahren.
Bei 30 % Steuersatz sparst du 8.460 € Steuern, die du drei Jahre früher verfügbar hast.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
GFs verschenken hier Geld, wenn sie nicht prüfen, ob degressive AfA bei größeren Anschaffungen sinnvoll ist. Oder wenn sie den optimalen Wechselpunkt von degressiv auf linear verpassen.
Stelle 4 — Computer-Sonderregel: 1-Jahres-AfA auch über 1.000 €
Hier wird es richtig interessant. Das BMF (Bundesfinanzministerium) hat am 22. Februar 2022 ein Schreiben veröffentlicht, das viele Steuerberater noch nicht auf dem Schirm haben.
Es besagt: Computer-Hardware und Betriebs-Software können auf ein Jahr Nutzungsdauer abgeschrieben werden.
Gilt für PCs, Notebooks, Monitore, Tastaturen, Drucker, Scanner. Auch wenn sie über 1.000 € kosten. Auch wenn sie normalerweise drei Jahre Nutzungsdauer hätten.
Das ist keine Kann-Regelung. Das ist eine Verwaltungsanweisung. Das Finanzamt akzeptiert das.
Du darfst einen Laptop für 2.500 € im Jahr der Anschaffung komplett abschreiben.
Warum das Geld wert ist
Nehmen wir an, du kaufst 2026 zehn Laptops à 1.800 € für dein Team. Gesamtkosten: 18.000 €.
Normale AfA über 3 Jahre: 18.000 / 3 = 6.000 € pro Jahr. In 2026 schreibst du also 6.000 € ab.
Computer-Sonderregel: Du schreibst die vollen 18.000 € in 2026 ab. Das sind 12.000 € mehr Abschreibung im ersten Jahr. Bei 30 % Steuersatz sparst du 3.600 € Steuern sofort.
Klar, über drei Jahre gleicht sich das aus. Aber Liquidität heute ist mehr wert als Liquidität in drei Jahren. Und wenn du das Geld reinvestierst, holst du noch mehr raus.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
GFs verschenken hier Geld, wenn sie Computer-Anschaffungen immer noch über drei Jahre abschreiben. Frag deinen Steuerberater, ob er das BMF-Schreiben vom 22.2.2022 kennt. Wenn nicht, zeig ihm diesen Artikel.
Stelle 5 — Garantierückstellungen: Pflicht in Handelsbilanz, verboten in Steuerbilanz
Du verkaufst Maschinen mit zwei Jahren Garantie. Erfahrungsgemäß gehen 5 % der Maschinen in dieser Zeit kaputt. Reparaturkosten durchschnittlich 2.000 € pro Fall.
Handelsbilanz nach § 249 Abs. 1 HGB: Du musst eine Garantierückstellung bilden. Sobald du die Maschine verkauft hast, entsteht eine ungewisse Verbindlichkeit. Die gehört in die Bilanz, auch wenn du noch nicht weißt, welche Maschine kaputtgeht.
Steuerbilanz: Hier wird es kompliziert. Grundsätzlich sind Garantierückstellungen auch steuerlich zulässig, aber nur unter strengen Voraussetzungen. Das Finanzamt will konkrete Erfahrungswerte sehen, keine Schätzungen ins Blaue.
Wenn deine GmbH noch keine langjährige Garantie-Historie hat, akzeptiert das Finanzamt die Rückstellung oft nicht. Dann hast du wieder eine temporäre Differenz zwischen Handels- und Steuerbilanz.
Rechenbeispiel: Maschinenbau-GmbH
Du verkaufst 2026 hundert Maschinen à 50.000 €. Umsatz: 5 Mio. €. Erfahrung: 5 % Garantiefälle in den nächsten zwei Jahren, Reparaturkosten 2.000 € pro Fall.
Erwartete Garantiekosten: 100 × 0,05 × 2.000 = 10.000 €.
In der Handelsbilanz bildest du eine Rückstellung über 10.000 €. Dein Gewinn sinkt um 10.000 €. In der Steuerbilanz, wenn das Finanzamt die Rückstellung nicht anerkennt, bleibt der Gewinn 10.000 € höher.
Bei 30 % Steuersatz musst du wieder eine aktive latente Steuer von 3.000 € bilden.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
GFs verschenken hier Geld, wenn sie Garantierückstellungen einfach weglassen, weil sie denken "ist eh kompliziert". In der Handelsbilanz sind sie Pflicht. Und wenn du sie bildest, musst du die latenten Steuern mitdenken.
Stelle 6 — Abzinsung von Rückstellungen: 4–6 % Zinssatz vergessen = zu viel Steuer
Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr müssen abgezinst werden. Das steht in § 253 Abs. 2 HGB. Die Idee: Wenn du eine Verpflichtung hast, die erst in drei Jahren fällig wird, ist sie heute weniger wert als in drei Jahren, wegen des Zinseffekts.
Der Abzinsungssatz wird von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht. Es ist der durchschnittliche Marktzinssatz der letzten sieben Jahre für die jeweilige Restlaufzeit. 2026 liegt der bei etwa 4–6 %, je nach Laufzeit.
Das klingt nach Buchhaltungs-Kleinkram. Ist es aber nicht. Denn wenn du eine Rückstellung von 50.000 € bildest, die erst in fünf Jahren fällig wird, darfst du nicht 50.000 € ansetzen.
Du musst den Barwert berechnen.
Rechenbeispiel: Rekultivierungsrückstellung
Deine GmbH betreibt eine Kiesgrube. In fünf Jahren muss das Gelände rekultiviert werden. Geschätzte Kosten: 50.000 €.
Abzinsungssatz: 5 % (vereinfacht).
Barwert: 50.000 / (1,05)5 = 50.000 / 1,276 = 39.176 €.
Du darfst also nur 39.176 € als Rückstellung ansetzen, nicht 50.000 €. Der Unterschied von 10.824 € ist ein höherer Gewinn. Bei 30 % Steuersatz zahlst du 3.247 € mehr Steuern, in diesem Jahr.
In den nächsten fünf Jahren wird die Rückstellung jährlich aufgezinst. Im Jahr der Rekultivierung steht sie bei 50.000 €. Dann gleicht sich die Steuer aus.
Aber du zahlst heute mehr, wenn du die Abzinsung vergisst.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
GFs verschenken hier Geld, wenn sie langfristige Rückstellungen mit dem vollen Erfüllungsbetrag ansetzen statt mit dem Barwert. Das ist nicht nur falsch, es ist prüfungsrelevant.
Stelle 7 — Latente Steuern: Die unsichtbare Position, die deine Bilanz ehrlich macht
Latente Steuern sind der größte Verwirrungskandidat im Jahresabschluss. Viele GFs haben noch nie davon gehört. Dabei sind sie zwingend, sobald es temporäre Differenzen zwischen Handels- und Steuerbilanz gibt.
Die Logik: Wenn deine Handelsbilanz einen niedrigeren Gewinn zeigt als deine Steuerbilanz, zahlst du heute mehr Steuern als aus der Handelsbilanz ersichtlich. Irgendwann kehrt sich das um, die Differenz löst sich auf. Dann zahlst du weniger Steuern.
Um das darzustellen, bildest du eine aktive latente Steuer. Das ist ein Aktivposten, eine Art Steuerguthaben. Es sagt: "Die Steuern, die wir heute zu viel zahlen, bekommen wir später zurück."
Umgekehrt bei passiven latenten Steuern. Wenn die Handelsbilanz einen höheren Gewinn zeigt als die Steuerbilanz, zahlst du heute zu wenig Steuern. Später zahlst du nach.
Dann bildest du eine passive latente Steuer, eine Schuld.
Wann entstehen temporäre Differenzen?
- Drohverlustrückstellungen (Handelsbilanz ja, Steuerbilanz nein)
- Garantierückstellungen (Handelsbilanz ja, Steuerbilanz manchmal nein)
- Unterschiedliche AfA-Methoden (degressiv in Steuerbilanz, linear in Handelsbilanz)
- Aktivierte Entwicklungskosten (in Handelsbilanz Wahlrecht, in Steuerbilanz oft anders)
Mittelgroße und große GmbHs sind nach § 274 HGB verpflichtet, latente Steuern zu bilden. Kleine GmbHs haben ein Wahlrecht, aber selbst da ist es sinnvoll, weil es die Bilanz ehrlicher macht.
Rechenbeispiel: Zusammenspiel aller Differenzen
Nehmen wir an, deine GmbH hat 2026 folgende temporäre Differenzen:
- Drohverlustrückstellung 25.000 € (nur Handelsbilanz)
- Garantierückstellung 10.000 € (nur Handelsbilanz)
- Degressive AfA 15.000 € mehr in Steuerbilanz als in Handelsbilanz
Gesamtdifferenz: 25.000 + 10.000 – 15.000 = 20.000 €. Die Handelsbilanz zeigt 20.000 € weniger Gewinn als die Steuerbilanz.
Bei 30 % Steuersatz bildest du eine aktive latente Steuer von 6.000 €. Das ist ein Aktivposten, der deinen Gewinn wieder erhöht, aber nur bilanziell, nicht steuerlich.
Wenn sich die Differenzen in den nächsten Jahren auflösen (die Drohverluste realisieren sich, die Garantiefälle treten ein, die AfA-Unterschiede gleichen sich aus), wird die latente Steuer abgebaut.
Beispielrechnung, ohne Gewähr. Stand 2026.
GFs verschenken hier Geld, wenn sie latente Steuern ignorieren. Nicht im direkten Sinne von "mehr Steuern zahlen